Mein “Lebenslauf” (von Heidi Schmidt selbst verfasst)

Da mich immer wieder Leute nach meinem Lebenslauf fragen, schreibe ich hier mal ein paar Dinge dazu auf. Eigentlich dürfte es mich schon gar nicht mehr geben... Aber ich will von vorne anfangen: Ich wurde 1972 in Wolfsburg  als zweites von vier Kindern geboren. Zunächst verlief alles normal, doch nach kurzer Zeit stellten sich bei mir die ersten massiven gesundheitlichen Probleme ein. Ich aß kaum, wurde immer schwächer und sehr kränklich.
Als ich ein halbes Jahr alt war, stellte man dann fest, dass ich einen schweren Herzfehler (ASD / VSD) hatte; meine Herzscheidewand war so gut wie gar nicht vorhanden. Zunächst hieß es, ich könnte operiert werden, sobald ich ein bestimmtes Gewicht erreicht hätte. Doch als ich dieses Gewicht dann hatte, stellte man fest, dass eine Operation nicht mehr möglich war, da sich die Adern in der Lunge inzwischen stark verengt hatten. Die Ärzte gaben mir nicht einmal ein Jahr und betonten, dass es auf der ganzen Welt keine Hoffnung für mich gäbe. Erstaunlicherweise habe ich mich dann aber wieder so gut erholt, dass ich bis zur Einschulung eine relativ normale Kindheit hatte - ich durfte mich bloß nicht übermäßig anstrengen. Warum es mir plötzlich wieder so gut ging, war für die Ärzte ein einziges Rätsel. Ich bin mir aber sicher, dass Gott da seine Hand im Spiel hatte.
Meine Schulzeit verbrachte ich bis zur 10. Klasse relativ normal mit einigen Einschränkungen: Sport war für mich immer tabu, in der 5.+ 6. Klasse bekam ich in der Schule (als einzige Schülerin) ein Schließfach und ab der 7. Klasse wurde ich mit dem Taxi  zur Schule gefahren und abgeholt (ich konnte die Wege zwischen Bushaltestelle und Schule nicht mehr gehen). Von der 5. bis zur 8. Klasse musste ich zu allem Überfluss wegen meiner gekrümmten Wirbelsäule auch noch ein Korsett tragen, das mit seinen gut 5 kg meine ohnehin schon nicht so überwältigende Leistungsfähigkeit noch um einiges verschlechterte. Aber mit der tatkräftigen Unterstützung meiner Familie und Freunde und Gottes Hilfe habe ich auch diese Zeit ganz gutgepackt. Die Ärzte sagten allerdings immer wieder, ich hätte nur noch wenige Jahre zu leben. Doch offenbar ist es eins von Gottes Lieblingshobbys, die Prognosen meiner Ärzte zu widerlegen und so lebe ich heute immer noch.
Ab der 11. Klasse bekam ich durch Lehrer von zwei Gymnasien Privatunterricht zu Hause, da sich mein Gesundheitszustand inzwischen derart verschlechtert hatte, dass ich die Wege zwischen Klassenraum und Fachräumen innerhalb der Schule nicht mehr gehen konnte. Mit meinen Privatlehrern habe ich dann auch 1992 mein Abitur gemacht. Soweit ich weiß, war ich übrigens die erste "normale" Schülerin, die vom Staat bezahlten Hausunterricht bekam. Meine Lehrer meinten immer, es sei ein einziges Wunder, dass das genehmigt wurde und sich da niemand "quer gestellt" hätte...
Einen Tag vor meinem 17. Geburtstag erfuhr ich, dass ich eine Herz-Lungen-Transplantation bräuchte, ohne die ich höchstens noch zwei Jahre leben würde. Im April 1991 wurde ich dann tatsächlich herzlungentransplantiert. Alles lief super und mir ging es zunächst auch sehr gut.
Im August 1992 habe ich dann meinen Mann Mathias geheiratet und zusammen mit ihm eine Ausbildung zur Diakonin in Minden begonnen.  Ich musste die Ausbildung aber aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Schon gut ein Jahr nach der Transplantation stellte man bei mir eine “chronische Abstoßung” (Bronchialitis-obliteran-Syndrom) fest, bei der das eigene Immunsystem die neuen Organe als Fremdkörper erkennt und nach und nach systematisch zerstört. Die Ärzte gaben mir maximal noch etwa 3-4 Jahre zu leben. Das war 1993. Und ich lebe immer noch. Ich kann zwar körperlich bei Weitem nicht das leisten, was gesunde Menschen schaffen, aber ich kriege meinen Alltag allein geregelt, kann am Computer arbeiten und einiges mehr. Für meine Ärzte ist es ein einziges Wunder, dass es mir immer noch so gut geht.  Von 1993-2000 habe ich sogar in mehreren Gemeinden mitgearbeitet. Ich habe mehrere Jungscharen geleitet, Kindergottesdienste, einen Jugendkreis, arbeitete im ev. Kindergarten ab und zu mit, ebenso beim Seniorenkreis, hielt (und halte noch hin und wieder) Predigten und so weiter. Nebenbei habe ich dann angefangen, Bücher zu schreiben, um Menschen die wichtigste Erfahrung meines Lebens zu vermitteln: Es lohnt sich, sich ganz und
gar auf Gott einzulassen!  Mein Leben  war und ist zwar nicht immer einfach und toll - aber ich würde mit keinem Menschen auf der Welt tauschen wollen, denn ich habe Gottes Führung in meinem Leben auf so wunderbare Weise (oft im wahrsten Sinne des Wortes) zu spüren bekommen wie ich es als Gesunde vielleicht nie erlebt hätte.
Mittlerweile nimmt die "Schreiberei" den größten Teil meiner Arbeit ein - und erstaunlicherweise macht es mir immer noch viel Spaß! Ich bin Gott sehr dankbar für alle guten Ideen und Reaktionen und hoffe, dass ich meinen Lesern etwas von der Liebe Gottes vermitteln kann, die mein Leben ausmacht und trägt.

Nachtrag: Seit Sommer 2009 ging es Heidi gesundheitlich nicht mehr so gut. Sie konnte die notwendigen Medikamente nicht vertragen und musste sie absetzen. Auch in verschiedenen Kliniken konnte ihr nicht mehr geholfen werden. Heidi wurde körperlich immer schwächer und so kam sie am 18. Dezember in das Hospiz in Wolfsburg, wo sie am 3. Januar 2010 verstarb.
Heidi hat die Krankheitszeit ganz bewusst erlebt und war auch bereit zu sterben. Sie schrieb in ihrer letzten Mail, kurz vor ihrem Tod: „Ich freue mich auf den Himmel.“
Über 18 Jahre durfte Heidi noch nach ihrer Herz-Lungen-Transplantation leben. Wir sind dankbar für die Zeit, die wir mit ihr verbringen durften.

Ihr Ehemann Mathias Schmidt
und Ihre Angehörigen