Organspende

Heidi schrieb dazu:
Wahrscheinlich wundert ihr euch ein bisschen, dass man auf der Homepage einer Autorin von Jugendbüchern  was über Organspende findet. Das hat einen einfachen Grund: Ich bin seit April 1991 Herz-Lungen-transplantiert. Ohne diese Transplantation würde es höchstwahrscheinlich kein einziges meiner Bücher geben (siehe auch unter
“Lebenslauf”), deshalb hat dieses Thema schon indirekt etwas mit meinen Büchern zu tun. Außerdem ist es mir wichtig, euch mal was über Organspende zu erzählen, bzw. euch ein paar Infos dazu weiterzugeben, denn noch immer gibt es bei vielen Leuten noch viel zu viele Missverständnisse und falsche Vermutungen über dieses Thema. Ich greife dieses Thema in zwei von meinen Büchern auf: In “Mircos letzte Chance” (meine indirekte Autobiographie) und in “Danias, der Träumer” (hier geht es um ein Mädchen, das auf eine Lungentransplantation wartet). Noch viel mehr und genauere Informationen zum Thema Organspende bekommt ihr aber in einem Vortrag von Karl-Friedrich Seibel  (er hat ihn am 20.04.2004 in Münster gehalten), den ihr etwas weiter unten auf dieser Seite findet. Alle, die dieses Thema interessiert, möchte ich deshalb dazu einladen, sich den Vortrag durchzulesen. Herr Seibel ist selbst seit 1993 lebertransplantiert, er weiß also, wovon er redet. Ich fand seinen Vortrag so klasse, dass ich ihn sofort (mit seinem Einverständnis) in meine Homepage aufgenommen habe.

Hier ist er:

"Organspende – eine Entscheidung für das Leben?!"

Einleitung: Auf den Einladungen lesen Sie das Thema meines Vortrags: Organspende – eine Entscheidung für das Leben. Zuerst lesen Sie diese Worte als Frage, erst dann als Aussage. Ich sage Ihnen gleich zu Anfang, dass diese Frage von vielen Zeitgenossen mit Nein beantwortet wird. Von einigen deshalb, weil sie sich in der Vergangenheit offenbar nur oberflächlich mit diesem Thema befasst haben. Sie haben in den Medien vielleicht verschiedene schaurige Beiträge zum Thema gesehen oder gelesen und sagen darum Nein zur Organspende.
Andere beantworten diese Frage aus bestimmten ethischen Überzeugungen mit Nein, was an sich völlig in Ordnung ist. Allerdings gibt es auch solche unter diesen, die so extreme Positionen einnehmen, dass sie sogar die Mediziner, die Organe für eine Transplantation entnehmen, als Killer oder als Leichenfledderer bezeichnen. Mich hat es jedenfalls sehr schockiert, als ich solche Sätze aus der Feder eines Mannes las, der sich selbst Christ und Förderer des Lebens  nennt.
Ich bin heute Abend zu Ihnen gekommen, um Ihnen meine persönliche Geschichte ein Stück weit näher zu bringen und um Ihnen gute Gründe für ein Ja zur Organspende zu nennen. Denn ich bin davon überzeugt, dass die Entscheidung für die Organspende, eine Entscheidung für das Leben ist.
Ich will Sie zu nichts überreden. Und wenn Sie nach meinem Vortrag kein Ja zur Organspende gefunden haben, dann ist das absolut in Ordnung. Sie sind hierher gekommen, weil Sie ein grundsätzliches Interesse an diesem Thema haben und damit auch an den Menschen, die auf ein Spenderorgan angewiesen sind, um überleben zu können. Ihr Interesse ist mir wichtig, ganz egal ob Sie nachher das Fragezeichen im Thema stehen lassen oder das Ausrufezeichen dick unterstreichen oder ob Sie vor das Wörtchen eine ein k setzen werden. Das Unerträglichste ist nämliche die Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit, mit der viele in Deutschland diesem Thema und damit auch den kranken und oft todkranken Menschen begegnen.
Ich möchte Ihnen also ausdrücklich für Ihr Kommen danken und hoffe sehr, dass Sie morgen und übermorgen mit Familienmitgliedern, Arbeitskollegen, Freunden und Nachbarn über Ihre Eindrücke diskutieren werden, die Sie heute Abend bekommen. Etwa 12.000 Menschen, die in unserem Land auf Heilung und Rettung durch eine Organspende hoffen, werden es Ihnen danken.
Ich hatte gesagt, dass ich Ihnen gute Gründe nennen möchte, die Ihnen helfen können, sich mit großer Entschiedenheit für eine Organspende auszusprechen.
Ich möchte Ihnen das Bild einer jungen Dame zeigen, die nicht leben würde, wenn es 1993 nicht einen Menschen gegeben hätte, der sich in der Zeit vor seinem Tod für eine Organspende entschieden hat. Vermutlich hatte dieser Mensch einen Spenderausweis, vielleicht hat er auch nur in seiner Familie davon gesprochen, im Falle seines Todes nach Möglichkeit seine Organe spenden zu wollen. So konnte diese trauernde Familie einer Organentnahme zustimmen. Ich weiß nicht wie es war.
Aber ich weiß, dass es dieses Mädchen nicht geben würde, wenn es keine Organspende gegeben hätte. (Foto) Dieses Mädchen wurde 1996 geboren, zweieinhalb Jahre nach meiner Transplantation – es ist unsere jüngste Tochter Anna-Catharina und für mich persönlich ist sie das stärkste Argument, das für eine Organspende spricht.
Mit dieser einen Organspende wurde also gleich zwei Menschen das Leben ermöglicht. Ich weiß nicht wer es war, aber ich bin ihm oder ihr und der dazugehörenden Familie unendlich dankbar. Können Sie das verstehen? Ich denke schon.
Ich bin also ein Organempfänger und zwar seit 1993, sozusagen schon ein alter Hase der TM. In Hannover in der MH rollen sie fast schon den roten Teppich aus, wenn ich zu Untersuchungen komme, weil ich (noch) zu den Patienten gehöre, die mit jedem Jahr, dass sie mit ihrem transplantierten Organ leben, die statistischen Werte in die Höhe treiben.

Das ist nicht selbstverständlich, um so weniger, da ich nach den heutigen medizinischen Erkenntnissen und den entsprechenden Richtlinien, ab welchem Zeitpunkt eine Transplantation erfolgen sollte, viel zu spät operiert worden bin.
Zum Zeitpunkt der Transplantation hatte ich eine Lebenserwartung von weniger als einem halben Jahr. Sie können sich sicher vorstellen, wie dankbar ich meinem Vater im Himmel für jedes weitere Jahr Lebenszeit bin. Und es ist ein anderes Leben, als in den zwei Jahren vor der OP, als ich mit der Krankheit einen aussichtslosen Kampf kämpfen musste.
Alles hatte 1990 begonnen, als Ärzte während einer Kur feststellten, dass sich meine Leberwerte dramatisch verschlechterten. Spezielle Untersuchungen führten zur Diagnose einer Primäer sklerosierenden Cholangitis; das sind permanente Entzündungen in den Gallenwegen, die langsam aber sicher zu einem Rückstau der Galle in der Leber führen und diese vergiften. Schon damals sagte man mir, dass das Ganze aller Voraussicht nach auf eine Lebertransplantation hinauslaufen würde. Unzählige Klinikaufenthalte folgten in den nächsten zwei Jahren. Als ich im Juni 1993 eine Varizenblutung bekam, bei der ich einen ¼ Eimer Blut erbrach, drängten mich die behandelnden Ärzte, meinen Namen endlich auf die Warteliste setzen zu lassen. Ich hätte sonst keine Überlebenschance. Im August bin ich ihrem Rat gefolgt. Am 15. Oktober kam überraschend schnell der Anruf aus Hannover, es gäbe eine Spenderleber für mich und man würde mich nun abholen.
Als Transplantierter kann und möchte ich Ihnen ein Stück weit die Gedanken und Empfindungen eines Menschen aufschließen, der auf ein Organ gewartet hat und nun mit einem Organ lebt, dass nicht von Geburt an zu ihm gehörte.
Als Insider, also als jemand, der sich sehr intensiv mit der ganzen Thematik befasst hat,  kann und möchte ich Ihnen Grundsätzliches zu den Chancen sagen, die durch die Transplantationsmedizin gegeben sind, aber auch über ihre Problematik.
Und als Christ kann und möchte ich Ihnen einiges dazu sagen, wie Menschen sich von ihrem christlichen Glauben her im Blick auf eine Organspende verhalten können. Ich sage bewusst „können“ und nicht „müssen“.
Was bewegt einen Menschen auf der Warteliste, also vor der Transplantation und was bewegt ihn, wenn er die OP überstanden hat?
Die Antwort auf die erste Frage hängt ein Stück weit von dem erkrankten Organ ab. Ein chronisches Nierenversagen läßt sich zwar auch mit einer künstlichen Niere behandeln, darum ist die Todesgefahr nicht so unmittelbar gegeben. Aber wer das unerbittliche und leidvolle Regime einer Dialyse kennen gelernt hat, unter dem ein Dialysepatient steht, wird den Wert einer transplantierten natürlichen Niere preisen.
Schwer nierenkranke Kinder können übrigens nur durch eine Transplantation vor bleibenden Wachstumsschäden bewahrt werden. (Foto)
Zwei- bis dreimal pro Wochen liegt der Patient, für mehrere Stunden an Schläuche angeschlossen, in der Ambulanz und ist anschließend in der Regel fix und fertig. (Foto) Alle Lebensumstände müssen diesem Rythmus angepasst werden. Zusammen mit etwa 10000 anderen Nieren-Patienten wartet man auf die erlösende Nachricht, dass ein passendes Organ gefunden wurde. Im Schnitt beträgt diese Wartezeit mittlerweile 7 Jahre.
Kranke, deren Herzmuskel oder Herzkranzgefäße geschädigt sind, haben aber nur durch eine Transplantation eine Überlebenschance. Rund 900 Spenderherzen sind jährlich in Deutschland nötig, damit niemand auf der Warteliste sterben muss, aber nur 339 Herzen konnten 2003 verpflanzt werden. Zu der ausgeprägten körperlichen Schwäche kommt also die Sorge hinzu, ob überhaupt rechtzeitig ein geeignetes Organ gefunden wird.
Dies gilt ebenso für Patienten mit bestimmten Lebererkrankungen, deren Leben durch die Krankheit ebenso stark beeinträchtigt und gefährdet ist. Hier liegt der Bedarf bei 1.100 Organ, aber nur 700 Spenderlebern wurden 2003 transplantiert. Ich persönlich hatte weniger mit Lebensängsten zu tun, da ich nicht wusste, wie eng es für mich werden könnte. Aber ich weiß, dass dies eine große Not für viele Patienten mit einem Organversagen ist.
Und dann kommen Gedanken wie: „Warte ich nicht auf den Tod eines anderen Menschen, um selbst leben zu können?“
Gedanken, die Verwirrung in der Seele anstiften, wenn du dir nicht immer wieder vergegenwärtigst, dass der andere Mensch sein Leben nicht für dich opfert. Er würde in jedem Fall sterben.
Wenn dann die TP erfolgt ist und das gespendete Organ seinen Dienst aufgenommen hat, erfüllt die allermeisten Patienten eine tiefe Dankbarkeit gegenüber dem Spender. In den allermeisten Fällen wird das verpflanzte Organ sehr rasch als geschenktes und nun als eigenes Organ angesehen. Der Gedanke, dass es sich um ein fremdes Organ handelt, verblasst nach meiner Erfahrung schnell, aber die Dankbarkeit bleibt.
Und aus dieser Dankbarkeit heraus tut man alles notwendige, um das geschenkte Organ zu schützen und zu pflegen. Man hütet es wie einen wertvollen Schatz. Dazu gehört, dass der Patient sich vor Infektionen schützt, seine Medikamente regelmäßig nimmt, die eine Abstoßung des Organ durch das körpereigene Immunsystem verhindern und ansonsten ein ganz normales Leben führt, weil man sich vorstellt, dass der Spender eine solche Lebensweise gutheißen würde.

II. Grundsätzliches zu den Chancen und Problemen der TM

Die Organtransplantation ist eine erfolgreiche Therapiemaßnahme für Menschen, die mit einem Organversagen leben müssen. Für die weitaus größte Zahl der Transplantatempfänger ist mit der Transplantation ein Mehr an Lebenszeit und Lebensqualität verbunden. 
Nirgendwo wird der Fortschritt in der Medizin so deutlich, wie in der modernen Transplantationschirurgie. Die Übertragung von Niere, Herz, Leber, Lunge und Bauchspeicheldrüse ist mittlerweile zu einer festen Größe in der Medizin geworden. Jeden Tag werden in Deutschland im Schnitt 10 Organe übertragen. M.a.W.: die Organtransplantation hat die Pionierphase längst verlassen und ist seit langem ein etabliertes Therapieverfahren. Und das ist gut so.
Dass die Organverpflanzung als spezielle Behandlung des Organversagens heute eine anerkannte und erfolgreiche Therapiemaßnahme ist, muss im Zusammenhang mit der Entwicklung jener Medikamente gesehen werden, die eine Abwehrreaktion des Immunsystems unterdrücken (Immunsuppressiva).
Da das Transplantat vom Körper als fremd erkannt wird, muss zur Verhinderung seiner Abstoßung lebenslang eine immunsuppressive Medikation erfolgen. Bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts haben Ärzte und Forscher erste Erfahrungen in der Transplantationsmedizin gemacht. Leider fast ausschließlich negative. 1930 gaben sie entnervt ihre Forschung auf. Eine "rätselhafte Krankheit" zerstörte die transplantierten Organe nach nur wenigen Wochen.
Erst 1940 ahnte man, was der Grund dieser "Krankheit" war. Man erkannte, dass das körpereigene Immunsystem die übertragenen Organe abstößt.
Seit Mitte der 60er Jahre standen Medikamente zur Verfügung, mit denen sich die Immunreaktion entscheidend beeinflussen ließen. Aber erst ein Pilz mit Namen Tolypocladium inflatum Gams brachte den Durchbruch. Dieser Pilz enthält den Stoff Cyclosporin, der zu der Entwicklung des Medikaments Cyclosporin A führte. Zu Beginn der 80er Jahre wurde damit die revolutionäre Entwicklung der Transplantationsmedizin eingeleitet.
Obwohl Organtransplantationen große chirurgische Eingriffe darstellen, die trotz aller Erfolge immer noch zahlreiche Risiken in sich bergen, gehören sie mittlerweile zum Alltag in den 50 deutschen Transplantationszentren. (Foto) Sie lindern menschliches Leid und retten Leben.
Um es vorweg zu sagen, für mich gliedert sich die Transplantationsmedizin ein in den biblischen Auftrag zur Bewahrung und zum Schutz des Lebens. Insbesondere Christen sollten darum um eine vom christlichen Verständnis des Lebens, des Sterbens und des Todes her verantwortliche Stellungnahme zur Organspende bemüht sein.

Aber es gibt eben ein ganz bestimmtes Problem. Kein medizinisches, aber ein ethisches.
In zweifacher  Hinsicht hat die Transplantationsmedizin nun einmal mit dem Tod zu tun. Da ist zum einen der Mensch, der durch eine entsprechende Krankheit vom Tode bedroht ist und ohne ein Spenderorgan nur noch eine mehr oder weniger begrenzte Zeit leben kann.
Zum anderen ist da der Mensch, der gerade den Tod gefunden hat und von dem ein Spenderorgan erbeten wird. (Die Transplantation von Organen von Lebenden hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung und Umfang zugenommen, aber ich lasse dieses Thema hier außen vor.) Zwar kann niemand leugnen, dass Organtransplantationen menschliches Leid lindern und Leben retten, doch es gilt zu beachten, dass die Möglichkeit, Organe von einem Menschen auf einen anderen zu übertragen, zu einem Widerstreit der Interessen führt und spezielle Fragen aufwirft, die sich an der Grenze von Leben und Tod bewegen und damit Fragen der menschlichen Existenz und der Würde des Menschen berühren.
Die Diskussion um die Transplantationsmedizin entzündet sich in erster Linie an der Frage: Ist der Hirntod der Tod des Menschen oder nur eine Phase im Sterbeprozess?
Die polemische Anmerkung von Kritikern der Transplantationsmedizin, die Ärzte würden aus zwei Sterbenden einen Lebenden machen, verweist auf ein Dilemma der Mediziner. Sie müssen, da nur eben noch durchblutete und darum funktionstüchtige Organe zur Transplantation verwendet werden können, mit dem Kriterium des Hirntodes arbeiten. Und das bedeutet, dass die Entscheidung für die Organentnahme zu einem Zeitpunkt fallen muss, wenn das Gehirn des Spenders zwar abgestorben ist, aber das Herz, angetrieben durch die Herz-Lungen-Maschine, noch schlägt.
Das wirft Fragen und Ängste auf. Die Frage: "Bin ich wirklich tot, wenn mir Organe zur Transplantation entnommen werden?", verdeutlichen die Angst, vorzeitig aufgegeben und zu früh für tot erklärt zu werden. An diesem Punkt meldet sich also bei den meisten Menschen ein verständliches Unbehagen. Jeder dritte Deutsche hegt nach einer Emnid-Umfrage, die erst vor wenigen Monaten durchgeführt wurde, die Befürchtung, zu früh für tot erklärt zu werden. Der Frage nach der sicheren Feststellung des Todes gebührt darum besondere Beachtung.
Seit vielen Jahrhunderten wird beobachtet, dass Nägel und Haare auch nach Eintritt des Todes einige Tage lang weiterwachsen. Das ist möglich, weil die dafür verantwortlichen Zellstrukturen unabhängig vom restlichen Organismus sind und somit sehr viel länger funktionsfähig bleiben. Als sicheres und unbestrittenes Zeichen für den "biologischen Tod", damit ist der Tod aller Körperzellen gemeint, gilt die Verwesung.
Man muss aber sicherlich nicht solange warten, um zu verstehen, dass ein Mensch tot ist. Der Tod des Menschen tritt mit Sicherheit vor der Zerstörung sämtlicher Zellen ein. Seit jeher hatten die Menschen Angst, das Leben mit dem Tod zu verwechseln und Personen lebendig zu begraben oder einzuäschern. Da viele Jahrhunderte hindurch Instrumente oder Verfahren zur genauen Todesfeststellung fehlten, ist man an dieses Problem sehr vorsichtig herangegangen.
Einige Völker hatten die Gepflogenheit, ihre Toten im Freien, in einer Höhle oder in eigens dafür errichteten Gebäuden, ja sogar auf Bäumen oder Gerüsten aufzubahren, (Foto) damit im Falle eines Irrtums nicht Irreparables geschehen konnte. Es gibt ganz unterschiedliche Berichte vom Umgang mit den Toten in früheren Zeiten und in anderen Kulturen.
Im Mittelalter hat sich vieles im Umgang mit den Toten geändert. Aus Angst vor Ansteckung und Ausbreitung von Seuchen hat man die Toten ziemlich schnell begraben, wenn die Angehörigen keine Gesichtsreaktionen und keine Atemtätigkeit bei dem Verstorbenen mehr feststellen konnten. Bestenfalls hat der Priester, der die letzten Sakramente erteilte, den Toten noch in Augenschein genommen. Berichte aus dieser Epoche lassen uns wissen, dass damals vermutlich so mancher zu früh für tot erklärt wurde. Die Todesfeststellung ist nun einmal kein einfaches Verfahren.
Auch die Definition des Begriffes "Tod" ist nicht einfach. Der Begriff "Tod" hat eigentlich keine eigene Bedeutung; er ist negativ besetzt, weil er die "Negation" eines anderen Begriffes voraussetzt. Ende des Lebens oder fehlendes Leben ist vielleicht die einfachste, möglicherweise auch die genaueste Art und Weise, um den Tod zu definieren. Man könnte sagen: Ein Mensch ist dann tot, wenn eindeutig feststeht, dass er "nicht mehr lebt".
Aber wie läßt sich das nun zweifelsfrei feststellen?

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trugen wichtige wissenschaftliche Entdeckungen über die Funktionsweise des menschlichen Körpers dazu bei, dass die Herztätigkeit als wichtigstes Kriterium für die Todesfeststellung eingestuft wurde.
Als schließlich der Elektrokardiograph erfunden wurde (Foto), mit dem erstmals die bioelektrischen Potentiale des Herzmuskels abgeleitet werden konnten, ließ sich der Tod eines Menschen, der bereits als Herztod definiert wurde, noch besser und noch sicherer feststellen.
Doch seit bekannt ist, dass auch nach einem Herz- und Atemstillstand eine Wiederbelebung des Menschen durch die Methoden der Reanimation möglich ist, ist die Todesfeststellung nach Herz- und Atemstillstand als ausschlaggebendes Kriterium natürlich nicht mehr haltbar; der Verlust von Atmungs- und Herztätigkeit kann durch apparative Maßnahmen dauerhaft behoben werden.
Eine neue, eine eindeutigere und deshalb bessere Festlegung oder Definition des Todes musste darum erfolgen und zwar unabhängig von der Frage der Organspende. (Das Hirntodkriterium existiert als medizinische Konvention bereits seit 1968, fand aber bislang nur geringe gesellschaftliche Akzeptanz.)
Normalerweise stirbt ein Mensch, indem sein Herz stillsteht und der Atemstillstand eintritt, so ist es für den, der den Sterbenden pflegend begleitet hat, zu erkennen. Dem Herztod folgt unmittelbar, längstens innerhalb weniger Minuten der Hirntod, denn die Hirndurchblutung hört als erstes auf. Herztod und Hirntod treten also quasi gleichzeitig auf. In diesem Augenblick sind die anderen Organe noch funktionstüchtig! Sie bleiben dies auch noch für eine gewisse Zeit, trotz Atem- und Kreislaufstillstandes.
In Fällen schwerster Hirnschädigung (z.B. durch Hirnblutungen, Schädel-Hirn-Traumen, Hirntumore, Hirninfarkte) kann es jedoch isoliert zu einem vollständigen und endgültigen Ausfall der Hirnfunktionen kommen wenn das Gehirn kein Blut mehr erhält (Hirndruck). Durch die maschinelle Beatmung in einer Intensiv-Behandlung können aber Kreislauf Automatie des Herzschlages und Sauerstoffaufsättigung des Blutes weiter aufrecht erhalten werden. Dadurch sind die Organfunktionen kopfabwärts noch vorhanden.
Aber mit dem totalen und unumkehrbaren Ausfall des Gehirns sind dennoch die für das Leben des Menschen unabdingbaren Voraussetzungen endgültig und unwiederbringlich erloschen. Eine Fortsetzung der Intensivbehandlung kann danach keine Hilfe mehr bringen. Aus diesem Zustand führt kein Weg zurück ins Leben. Das Gehirn ist nicht nur funktionsmäßig, sondern auch in anatomischer Hinsicht tot. Die abgestorbenen Zellen beginnen sich zu zersetzen. (Eine Autopsie ergibt immer den gleichen Befund: die Nervenzellen werden durch ihre eigenen Enzyme zerstört.) Das ist der Zeitpunkt für die Feststellung des Todes.
Also von Hirntod spricht man, wenn das Gehirn in allen seinen Teilen, einschließlich des Hirnstamms, durch direkte Zerstörung oder durch Sauerstoffmangel abgestorben ist. Ich zeige Ihnen ein paar Zeichnungen zur Veranschaulichung.
Bild 1: Ein normal durchblutetes Hirn.
Bild 2: Bei einer starken Hirn Schwellung als Verletzungsfolge ist die normale Durchblutung aufgehoben.
Bild 3: Die Hirnzellen sterben ab.
Bild 4: Das Gehirn ist das Steuerungszentrum für alle Organe. Die Lunge reichert das Blut mit Sauerstoff an. Über die Tätigkeit des Herzens werden alle Organe mit Sauerstoff versorgt.
Bild 5: Nun erfolgt die Beatmung durch eine Machine. Die Lunge reichert das Blut mit Sauerstoff an. Über die Tätigkeit des Herzens werden alle Organe mit Sauerstoff versorgt. Die Atmung sowie die Herz und Kreislauftätigkeit lassen sich intensivmedizinisch mit Maschinen und Medikamenten also selbst dann noch erhalten wenn das Gehirn seine Tätigkeit vollständig eingestellt hat.

Während die Todesfeststellung allgemein bei Stillstand von Atmung und Herzschlag jeder Arzt treffen kann, ist die Feststellung des Todes durch Stillstand des Gehirnkreislaufes an besondere, unumgängliche Bedingungen und eine Reihe von Untersuchungen gebunden. Diese betreffen den Nachweis des Ausfalls aller Hirnfunktionen als auch die Feststellung, dass der totale Ausfall der Gehirndurchblutung nicht mehr rückgängig zu machen ist.
Der Zeitpunkt an dem die diagnostische Feststellung des Todes abgeschlossen ist, wird schriftlich festgehalten. Die Todesfeststellung wird von zwei erfahrenen Ärzten, z.B. Anästhesisten, Neurologen, Neurochirurgen, intensiv-therapeutisch tätigen Internisten, nach genauesten klinischen und apparativen Kontrolluntersuchungen dokumentiert. (Foto) Hier sehen wir solch ein Dokument, was von diesen beiden Ärzten ausgefüllt und unterschrieben werden muss.
Ich sage es noch einmal deutlich: Hirntod bedeutet die Zerstörung der gesamten Hirnsubstanz und damit zwangsläufig den unwiederbringlichen Ausfall aller Funktionen des Hirns.
Der Hirntod ist darum definiert als der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktion bei einer durch kontrollierte Beatmung aufrechterhaltenen Herz-Kreislauf-Tätigkeit. Das geschieht durch entsprechende Maschinen, die das Blut mit Sauerstoff versorgen und die Körpertemperatur konstant halten. Das heißt, der Körper des Toten, der sich normalerweise und ohne externe Wärmeanwendung nach Eintritt des Todes stufenweise abkühlt, kann noch "warm" sein.
Da die Körpertemperatur, genauso wie die Atmung und der Herzschlag, seit jeher als Lebenszeichen angesehen wird, ist dieser Sachverhalt aber nun einmal den meisten Menschen nur schwer zu vermitteln, besonders dann, wenn sie gerade einen lieben Angehörigen beispielsweise durch einen Unfall verloren haben. Sie sollen nun einer Organentnahme zustimmen, obwohl der Tote gar nicht aussieht wie ein Toter, noch warm ist, noch zu atmen scheint, und darum auch nicht als Leiche wahrgenommen wird.
Doch durch die Intensivmedizin ist offenbar geworden, dass der Mensch durch den Verlust seiner Gehirnfunktion unrettbar verloren ist. Ein Hirntoter ist nicht mehr erweckbar, kann nicht mehr ins Leben zurückgebracht werden, auch wenn Reste von rein biologischem Leben in einem hirntoten Menschen noch nachweisbar sind.
(Wie z.B. das noch über Tage zu beobachtende Weiterwachsen von Bart, Finger- und Zehennägel nach Eintritt des Todes.)
In allen Ländern, die über die Möglichkeiten intensivmedizinischer Versorgung verfügen, gilt darum der Hirntod als eindeutiger und endgültiger Tod des Menschen.
Der Hirntod führt nicht nur zum Verlust aller Möglichkeiten, durch Denken, Fühlen, Empfinden, Anteilnehmen, Reagieren und Handeln am Leben teilzunehmen, der Hirntod unterbricht unwiderruflich alle unbewussten - vom Hirnstamm gesteuerte - Abläufe zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen. Ohne Großhirn kann der Mensch z.B. atmen, mit dem Ausfall des Hirnstamms muss er beatmet werden und verliert auch die Fähigkeit seine Körpertemperatur konstant zu halten.
Von den weitaus schrecklicheren Umständen einmal abgesehen, ist der Hirntod im Ergebnis mit einer Enthauptung vergleichbar.
Ist der Hirntod eingetreten, ist eine weitere medizinische Behandlung aussichtslos geworden. Medizinisch gesehen wird der irreversible/unumkehrbare Ausfall des Gehirns mit dem Tod des Menschen gleichgesetzt.
Doch nicht jeder mag sich mit dieser Schlussfolgerung anfreunden und meldet darum Bedenken gegen das Hirntod-Kriterium an. Es ist in den Verdacht geraten, eine willkürliche und interessengeleitete Festsetzung des Todeszeitpunktes zu sein, die einer näheren ethischen Überprüfung nicht standhalten würde.
Der Streitpunkt ist die eben Frage, ob mit dem Hirntod tatsächlich das Sterben des Menschen beendet ist, oder ob der Hirntod lediglich ein gewichtiger Einschnitt in den Sterbeprozess eines Menschen darstellt, der zwar unumkehrbar ist, aber eben noch nicht abgeschlossen.
Die einen sagen: "Niemand ist so sicher tot wie ein Hirntoter!", die anderen meinen, das Hirntodkonzept würde den Prozess des Sterbens zu wenig berücksichtigen und die Bedeutung einzelner Organ- und Zellfunktionen außerhalb des Gehirns als Zeichen individuellen Lebens vernachlässigen.
Sie nennen eine Explantation darum eine Vivisektion, also einen Eingriff an einem noch Lebenden und behaupten, die Transplantationsmedizinern würden durch das Hirntodkonzept den Zeitpunkt des Todes zugunsten der Transplantationsmedizin vorverlegen; insofern de facto einen Missbrauch des Todes betreiben.
Wer aber sagt, dass der Hirntote zwar ein Sterbender, aber kein Toter ist, sollte auch sagen, ab welchem Zeitpunkt der Sterbeprozess abgeschlossen ist. Nach einem Tag? Nach zwei Tagen? Nach drei Tagen? Manche Zellen, die die gesamte Erbinformation des individuellen Menschen tragen, sind auch fünf Tage nach Herzstillstand noch funktionstüchtig. Was darf noch funktionieren, was muss schon verwest sein, um den Menschen für tot zu erklären?
Natürlich ist der Mensch mehr als sein funktionierendes Gehirn, aber wer sagt, der Mensch sei noch nicht ganz tot, wenn nur sein Gehirn abgestorben sei, der übersieht den Unterschied zwischen dem Ganzen als Einheit und dem Ganzen als Summe seiner Teile.
Ganzheit bedeutet Einheit als Lebewesen nicht nur Summe aller Zellen, Gewebe und Organe. Weil das Gehirn nach heutigem Kenntnisstand jene organische Substanz ist, welche die Integration des gesamten Organismus zu einer leiblich-seelischen Einheit gewährleistet, ist durch den vollständigen und endgültigen Hirnausfall das Ganze als Einheit des Lebewesens verloren gegangen.
Wenn das Herz zum letzten Mal geschlagen hat, wenn der letzte Atemzug getan ist, dann liegt vor dem Betrachter die sterbliche Hülle des Menschen und jeder spricht von einem Leichnam. Sollte das anders sein, nur weil eine Maschine den Sauerstoff in die Lunge presst und das Herz zum Schlagen zwingt?  Ich meine Nein!
Aber das ist nur meine Meinung. Die Diskussion um die TM, speziell um das Hirntod-Kriterium geht in unserem Land weiter und, so wie es aussieht, zu Lasten der rund 12.000 Patienten, die dringend auf ein Spenderorgan angewiesen sind. Konkret: in keinem anderen europäischen Land ist die Situation auf Grund fehlender Spendenbereitschaft so dramatisch wie in Deutschland.
Ich möchte Sie mit einigen nackten Zahlen und Fakten bekannt machen. Im Bundesdurchschnitt haben im vergangenen Jahr 14 Personen pro eine Million Einwohner Organe nach ihrem Tod gespendet; das sind insgesamt 1.141 Organspender (immerhin 11% mehr als im Vorjahr). Diesen Spendern wurden 3.496 Organe entnommen, das sind 328 gespendete Organe mehr als im Vorjahr.
Von diesen 3.496 Spenderorganen fallen mehr als 2.000 Organe auf den Bereich Nierentransplantation. Bleiben weniger als 1.500 Organe für Herz-, Leber-, und Lungenkranke, die eben nicht Dank einer maschinellen Therapie, wie der Dialyse, für einige Zeit überleben können. Besonders der Rückgang an gespendeten Herzen ist dramatisch. Damit aber kein Herz- oder Leberpatient mehr sterben muss, wären allein 900 Herzspenden und 1.100 Leberspenden notwendig.
Eine zu hohe Anzahl von Herz- und Leberpatienten müssen wegen des schlechten Allgemeinzustandes, in den sie durch die lange Wartezeit unweigerlich geraten, von der Warteliste genommen werden und das bedeutet in der Regel das Todesurteil für diese Menschen. Um auch die lange Warteliste für Nierentransplantationen abzubauen, müssten ca. 3.500 Spendernieren zur Verfügung stehen.
Und jetzt noch eine letzte Zahl. Ich hatte gesagt, dass 2003 in Deutschland 3.496 postmortale Organspenden erfolgt sind, es wurden aber 3.688 Transplantationen durchgeführt. Woher kommen diese zusätzlichen Organe? Sie kommen aus unseren Nachbarländern, mit denen wir über Eurotransplant verbunden sind. Eurotransplant, mit Sitz in Leiden, ist die Organisation, die die Verteilung der Organe in den betreffenden Ländern organisiert. M.a.W.: Deutschland ist ein Importland für Organ und das bereits seit Jahren. Europaweit werden nämlich mehr Organe gespendet als in unserem Land. Etwa 20 Person pro 1 Million EW sind Organspender. Zur Erinnerung: In der BRD sind es 14 Personen pro 1 Million EW.
Laut einer Umfrage der Uni Köln sind 45 % der Deutschen zwar grundsätzlich bereit einen Spenderausweis auszufüllen, aber nur 7 % haben tatsächlich einen. Das hängt wohl damit zusammen, dass jeder dritte Deutsche die verfrühte Organentnahme befürchtet, wenn er sich zur Organspende entschlossen hat und diesen Willen auch dokumentiert hat.
Solche katastrophalen Ansichten sind nur auf falsche oder gänzlich fehlende sachliche Informationen zurückzuführen.
Zunächst einmal sei gesagt, dass kein Arzt, schon allein aus ethischen und moralischen Gründen, einen ihm anvertrauten Patienten schlechter behandeln wird, nur weil an dritter Stelle Transplantate benötigt werden. Nüchtern betrachtet ist festzustellen, dass nur sehr gut funktionierende Organe transplantiert werden können. Aber alles was zum Funktionserhalt der Organe unternommen wird, dient gleichzeitig der Lebensrettung des betreffenden Patienten und umgekehrt.
Man muss also sagen, wenn überhaupt ein Spenderausweis Einfluss auf die medizinische Betreuung hat, dann nur einen, der von Vorteil für den Patienten ist. Die Maßnahmen am Unfallort sind jedenfalls immer die gleichen - unabhängig davon, ob es gelingt das Leben zu retten oder ob es sehr viel später - nach der Hirntodfeststellung - zu einer Organentnahme kommt.
Also: Aufklärung tut Not, denn die die Situation in unserem Land läßt sich durchaus mit der auf einem sinkenden Schiff vergleichen, wo nicht für alle Passagiere Plätze in einem Rettungsboot vorhanden sind. D.h., dass zwangsläufig Patienten, die auf ein Spenderherz oder eine Spenderleber warten, sterben müssen, weil es zu wenig Spenderorgane gibt.
Dabei haben die allermeisten Patienten, die sich heute auf der Warteliste wiederfinden, niemals damit gerechnet, einmal auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein, um zu überleben. Ich eben so wenig.
Aber jeder kann durch unglückliche Umstände in diese Lage kommen. Und wenn dieser Fall eintreten sollte, was ich Ihnen niemals wünsche, dann stehen ganz spezielle Frage an, die auf Antworten warten.
Im umgekehrten Fall kann im Prinzip jeder Mensch ganz plötzlich als möglicher Organspender in Frage kommen. Doch halten Sie sich bitte vor Augen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einmal Organempfänger werden, größer ist als die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einmal als Organspender in Frage kommen.
In jedem Fall ist es aber gut, sich mit den Fragen zu beschäftigen, die immer mit solchen Situationen verbunden sein können. Und sei es auch nur deshalb, um für sich selbst einen Standpunkt zu gewinnen.

III. Der Christ und die OS
Ich hatte gesagt, dass ich Ihnen als Christ einiges dazu sagen kann und möchte, wie Menschen sich von ihrem christlichen Glauben her im Blick auf eine Organspende verhalten können.
Das Wissen um den eigenen Tod stellt den Menschen vor die Frage, wie er sein Leben angesichts des sicheren Todes versteht, welchen Sinn er seinem Leben und Sterben gibt. Hier gibt es in unserer Gesellschaft unterschiedliche Standpunkte.
Der Tod wird verdrängt oder tabuisiert, als das natürliche Ende der Lebenskurve des Menschen hingenommen, philosophisch überhöht oder als befreiende Trennung der unsterblichen Seele vom vergänglichen Leib betrachtet. Diese verschiedenen „Todesbilder“ stellen sicher eine Herausforderung an die christliche Sicht des Todes dar.
Als Christen glauben wir und haben die Gewissheit, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, und dass die Toten auferstehen werden, die einen zum Leben und die anderen zum Gericht. Vom christlichen Verständnis des Todes und vom Glauben an die Auferstehung der Toten kann auch die Organspende von Toten gewürdigt werden.

Dass das irdische Leben eines Menschen unumkehrbar zu Ende ist, wird mit der Feststellung des Hirntodes zweifelsfrei erwiesen. Eine Rückkehr zum Leben ist dann auch durch ärztliche Kunst nicht mehr möglich. Wenn die unaufhebbare Trennung vom irdischen Leben eingetreten ist, können, so sehe ich es, funktionsfähige Organe dem Leib entnommen und anderen schwer kranken Menschen eingepflanzt werden, um deren Leben zu retten und ihnen zur Gesundheit oder Verbesserung der Lebensqualität zu helfen.
So verständlich es auch sein mag, dass mancherlei gefühlsmäßige Vorbehalte gegen die Entnahme von Organen eines Hirntoten bestehen, so wissen wir doch, dass durch den Tod unser Leib mit seinen Organe alsbald verfallen wird.
Kann man nicht ganz nüchtern und emotionslos die Frage stellen, ob diese Organe nicht besser im Körper eines Menschen aufgehoben wären, dessen Leben dadurch gerettet würde?
Und was die Auferstehung von den Toten angeht, so ist doch klar, dass die Erwartung der Auferstehung und des ewigen Lebens nicht an der Unversehrtheit des Leichnams hängt. Der Glaubende vertraut darauf, dass der gnädige Gott, unabhängig vom körperlichen Zustand seines Leibes, aus dem Tod zum Leben auferweckt und dass er als wiedergeborener Christ Jesus Christus in der leiblichen Auferstehung folgen wird.Menschen, die ihre Bereitschaft erklären, nach ihrem Tode Organ zu spenden, lassen, so verstehe ich es, über ihren Tod hinaus die „größere Liebe“ spürbar werden, zu der Jesus seine Jünger aufgefordert und die er selbst vorgelebt hat.
Die Liebe, die ihn dazu gebracht hat sich selbst am Kreuz von Golgatha zu opfern, damit die trennende Schuld zwischen Gott und Mensch beseitigt werden konnte, ist für mich das große Vorbild, dass mich u.a. auch zur Organspende ermutigt. (Das sage ich ausdrücklich nur im Blick auf mich selbst.)
Durch das Opfer seines Leibes hat Jesus mich vor dem ewigen Tod errettet. Mich bewegt deswegen auch die Frage, ob vielleicht durch meine Bereitschaft zur Organspende ein anderer Mensch, dadurch dass er weiter leben kann, die Chance erhält, zum Glauben an Jesus Christus zu finden. So würde er nicht nur neue Jahre geschenkt bekommen, sondern Jahre, die mit neuem, mit ewigem Leben aus Gott erfüllt sind. Die Bereitschaft zur Organspende ist darum - so meine ich - allemal eine Entscheidung für das Leben, auch wenn das eigene Leben beendet ist.
Fazit: Organspender helfen Leben retten. Sie stellt ihre Organe nach ihrem Tod zur Verfügung, um ein letztes Mal zu unterstreichen, dass sie in ihrem Leben auch den Sinn sahen hilfsbereit zu sein, anderen Menschen Gutes zu tun. Ihre Bereitschaft und  ärztliche Kunst haben eine erfolgreiche Therapiemaßnahme ermöglicht.
Aber klar ist uns allen, dass die TM die Grenze von Leben und Tod nicht aufheben kann. Es bleibt die Erkenntnis, dass unser Leben ein Geschenk Gottes ist. Auf ihn muss bei aller ärztlichen Kunst und aller menschlichen Hilfsbereitschaft die Hoffnung gerichtet bleiben, der gesagt hat: "Siehe, ich mache alles neu und werde abwischen die Tränen von aller Augen. Dann wird es keine Schmerzen und kein Leid mehr geben und der Tod wird nicht mehr sein".

Ich danke Ihnen für Ihr Interesse.

Karl-Friedrich Seibel